Atelier Brigitte Baserga


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Fantastische Gestalten im Auenwald

Das Naturzentrum Thurauen zeigt derzeit Skulpturen von Brigitte Baserga-Vogt

Kunst benötigt zur Betrachtung einen Raum, und das kann kein beliebiger sein. Schon gar nicht im Fall der neusten Ausstellung der in Alten wohnhaften Künstlerin Brigitte Baserga-Vogt mit Atelier in Kleinandelfingen und neuerdings auch in Rheinau. Baserga-Vogt zeigt Skulpturen, "Schwemmholzobjekte", und was ist besser und adäquater, als sie in der natürlichen Umgebung der Thur auszustellen. Einer renaturierten Thur, im Auenwald, im Naturzentrum Thurauen in Flaach. Natürlich, dort gehört das Schwemmholz hin, dort wirkt es besonders intensiv und harmonisch im gleichsam heimischen Umfeld. Allerdings: Die räumliche Nähe des bearbeiteten und des unbearbeiteten Materials Schwemmholz ist für die Wirkung der ausgestellten Objekte nicht einmal entscheidend. Die Kunst an sich ist es; das, was Brigitte Baserga-Vogt dem Holz entlockt.

Die Vernissage am vergangenen Sonntag im Naturzentrum, beziehungsweise Christian Erni (Andelfingen), der die einleitenden Worte sprach, hat dies wahrscheinlich verdeutlicht. Erni begann mit einer aus mitteleuropäischer Sicht doch sehr skurrilen Geschichte aus Island, in der sich eine Elfenbeauftragte (die gibt es wirklich) um den Schutz einer Elfenwohnstatt bemühte (erfolgreich, notabene). Nun ist die isländische, die nordische Mythologie überhaupt, ausserordentlich reich an Fabelwesen, an Elfen, Kobolden, Trollen, Geistern, und dass Erni darauf anspielte, ist dem Werk der Künstlerin zu verdanken. Sie bevölkert das Naturzentrum nämlich mit Baumfrauen, Erdweiblein und Thurteufeln, die gleichsam unbeschwert der nordischen Sagenkiste ent-sprungen zu sein scheinen. Und hier, im Auenwald (was durchaus wörtlich zu nehmen ist, eine Gruppe der Objektefindet sich tatsächlich im Wald), könnten sie nicht besser platziert sein. Hier, im Licht des Vollmonds, im Raunen des Morgennebels, finden sie das einer Fantasiegestalt gemässe Fluidum, sozusa-gen ihr natürliches Habitat.

Die Künstlerin, meinte Erni, sei in der Lage, die Seele der Natur zu spüren und sie in ihrer Kunst sichtbar zu machen, und dies ist ohne Zweifel eine treffende Charakterisierung. Und so werden die aus den Aesten und Stämmen wachsenden Frauenfiguren oder die leicht unheimlich anmutenden Thurteufelchen tatsächlich zu Symbolen für die in natürlicher Macht, aber eben ein wenig auch natürlichem Schrecken, wiederauferstandene Thur-Natur. Denn der Künstlerin gelingt die harmonische und lückenlose Verbindung von natürlichem Stoff und naturhafter Gestalt mit dem kreativgewollten Schöpfungsakt, dem Wirken menschlichen Gestaltens. Ihre Figuren, wie immer man sie auch nennen will, wirken alles andere als "fremd" - obschon sie natürlich, mit Verlaub, gleichsam ein Schlag ins Gesicht der verstandesorientierten Realität sind. Aber es gibt eben noch anderes zwischen Himmel und Erde als physikalische Fakten, und diese Künstlerin legt es offen.
(Schaffhauser Zeitung, 6.09.2012)






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